Vertrauensarbeitszeit


Begriff

Im Gegensatz zur Gleitzeit verzichtet der Arbeitgeber bei der Vertrauensarbeitszeit gänzlich auf eine verpflichtende Festlegung des Beginns und des Endes der täglichen Arbeitszeit. Die Arbeitszeit des Arbeitnehmers richtet sich dann nach der im Arbeitsvertrag festgelegten (Wochen-) Arbeitszeit, zur Einhaltung derer der Arbeitnehmer auch weiterhin verpflichtet bleibt. Der Arbeitgeber verzichtet jedoch auf deren Kontrolle und die Zeiterfassung und vereinbart mit den Mitarbeitern Ziele, die sie erreichen sollen. Allerdings bleibt der Arbeitgeber dennoch gegenüber den Aufsichtsbehörden verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit geleistete Arbeitszeit der Mitarbeiter aufzuzeichnen. Zusätzlich sind bei bestimmten Mitarbeitergruppen – insbesondere bei Minijobbern und geringfügig Beschäftigten – die besonderen Regelungen zu Aufzeichnungspflichten zu beachten (z.B. § 17 MiLoG).

VertrauensarbeitszeitVorteile und Nachteile

Die Einführung der Vertrauensarbeitszeit bringt auch Vor- und Nachteile mit sich.

Vorteile für den Arbeitnehmer

  • Flexibilität in der Zeiteinteilung (Arbeitszeit, Erholungszeit)
  • Gute Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf
  • Keine ständige Kontrolle der Arbeitszeit, sondern eher der Arbeitsqualität
  • Erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit durch die Flexibilität und das entgegen gebrachte Vertrauen
  • Kein unnötiges „Absitzen“ bei niedrigem Arbeitsanfall

Nachteile für den Arbeitnehmer

  • Grenzenlose Arbeitszeiten und Gefahr der „ständigen Erreichbarkeit“
  • Abstimmungen mit Kollegen wird schwieriger
  • Missbrauchsgefahr durch den Arbeitgeber bei Überschreitung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn
  • Mitarbeiterunzufriedenheit bei Mehrarbeit bei gleichem Lohn
  • Überdurchschnittlich hohe Mehrarbeit aufgrund eigenem Interesse an Aufgabengebiet

Vorteile für Arbeitgeber

  • Flexibilität
  • Mitarbeiterbindung durch Vertrauenskultur
  • Mitarbeitermotivation steigt durch Selbstbestimmtheit
  • Besseres Betriebsklima durch Vertrauen statt Kontrolle

Nachteile für Arbeitgeber

  • Kontrollverlust
  • Entstehung von Konflikten bei Überlastungssituationen von Mitarbeitern, die viel arbeiten
  • Mögliche „unsaubere“ Dokumentation der Arbeitszeit und Konflikte mit dem Gesetz
  • Missbrauch durch Arbeitnehmer möglich
  • Führungskräfte müssen viel Erfahrung und Kompetenz in Bezug auf die Zielvereinbarungen haben
  • Schlechtere Erreichbarkeit der Mitarbeiter

Vertragliche Vereinbarungen

Die Vertrauensarbeitszeit muss, z.B. wenn sie neu eingeführt werden soll, auch vertraglich vereinbart und es muss auch auf die konkrete Ausgestaltung geachtet werden. Wichtig ist auch noch eine feste Vorgehensweise zur Definition der Zielvereinbarungen und der klaren Kommunikation bei Überlastung der Mitarbeiter. Die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit gelten jedoch weiterhin und sind zu beachten.

Verwandte Themen

Einzelnachweise/ Zitate/ Quellen

Weblinks

Anna Rosón Eichelmann

Anna ist Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. Seit 2011 befasst sie sich intensiv mit dem Arbeitsrecht, insbesondere im Bereich des Gastgewerbes und hat den Fachanwaltslehrgang im Arbeitsrecht an der Hagen Law School absolviert. Zu ihren Praxisstationen zählen der Lehrstuhl für Arbeitsrecht bei Prof. Dr. Waas an der Goethe-Universität in Frankfurt, die HR-Abteilung einer Bank, die Arbeitsrechtsabteilung bei Prof. Dr. Lunk in einer amerikanischen Großkanzlei, die Litigation-Abteilung einer britischen Großkanzlei sowie die Außenhandelskammer für Deutschland in Spanien. Anna hat in Frankfurt am Main und Madrid studiert.