Kalkulatorischer Unternehmerlohn


Begriff

Der kalkulatorische Unternehmerlohn bezeichnet Kosten, die für die Arbeit eines Mitarbeitenden Unternehmers anfallen. Die Eigenschaft „kalkulatorisch“ beschreibt, dass der Unternehmer nicht in dem Sinne einen Lohn bezieht, sondern dass der üblicherweise anfallende Lohn berechnet wird.

Bedeutung

Der Unternehmer in einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft, der üblicherweise als Geschäftsführer oder in anderer Tätigkeit in seinem Unternehmen mitarbeitet, darf sich selbst kein Gehalt zahlen. Dennoch fallen fiktiv Kosten für seine Arbeit an, schließlich könnte er theoretisch genauso gut in einem Kapitalunternehmen gleicher Größe und Beschaffenheit für ein Gehalt dieselbe Aufgabe ausführen. Während der kalkulatorische Unternehmerlohn in der Finanzbuchführung nicht auftaucht, muss der kalkulatorische Unternehmerlohn in die Kosten- und Leistungsrechnung einfließen. Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist dabei mit der Höhe anzusetzen, die ein Angestellter mit derselben Qualifikation in einem Unternehmen mit gleichem Standort und in der gleichen Branche verdienen würde. Wenn ein Gastronom also als zweiter Koch in der Küche mitarbeitet, sollte rechnerisch ein Lohn in der Höhe von dem Gehalt des anderen Kochs angesetzt werden, wenn beide dieselben Aufgaben erfüllen. Wenn die Kosten des Restaurantbetriebs berechnet werden, müssen in diesem Beispiel also die Kosten für zwei Köche berechnet werden obwohl nur einer wirklich einen Lohn bezieht. Über diese Kosten können im Anschluss Preise für die Gerichte berechnet werden, die die gesamten Kosten (inklusive des kalkulatorischen Unternehmerlohns) decken.

Seifenformel

Die Seifenformel wird regelmäßig genutzt, um den kalkulatorischen Unternehmerlohn von Geschäftsführern einzuschätzen, jedoch muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die BGH-Rechtsprechung die Berechnung über eine Formel verbietet. Es soll stattdessen ein Unternehmerlohn individuell nach Nr. 24 Abs. 3 der „Leitsätze für die Preisermittlung auf Grund von Selbstkosten“ ermittelt werden.

Andere fiktive Kosten

Der kalkulatorische Unternehmerlohn gehört zu einer Gruppe von Kosten die nie wirklich als Auszahlung auf dem Unternehmenskonto auftauchen, die aber dennoch bei dem Preis der verkauften Produkte einberechnet werden sollen. Die anderen fiktiven Kosten sind:

  • kalkulatorische Abschreibungen
  • kalkulatorische Zinsen
  • Gewährleistungswagnis

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Einzelnachweise/ Zitate/ Quellen

Weblinks

Anna Rosón Eichelmann

Anna ist Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. Seit 2011 befasst sie sich intensiv mit dem Arbeitsrecht, insbesondere im Bereich des Gastgewerbes und hat den Fachanwaltslehrgang im Arbeitsrecht an der Hagen Law School absolviert. Zu ihren Praxisstationen zählen der Lehrstuhl für Arbeitsrecht bei Prof. Dr. Waas an der Goethe-Universität in Frankfurt, die HR-Abteilung einer Bank, die Arbeitsrechtsabteilung bei Prof. Dr. Lunk in einer amerikanischen Großkanzlei, die Litigation-Abteilung einer britischen Großkanzlei sowie die Außenhandelskammer für Deutschland in Spanien. Anna hat in Frankfurt am Main und Madrid studiert.