Freier Mitarbeiter (Freelancer)


Begriff: Freier Mitarbeiter

Der freie Mitarbeiter (engl. Freelancer) ist eine Person, die ohne ein persönlich abhängiger Arbeitnehmer zu sein, für einen anderen – in der Regel aufgrund eines Dienst- oder Werkvertrages – vereinbarungsgemäß selbständig Arbeitsleistungen erbringt. Der freie Mitarbeiter tritt häufig in der Gastronomie, in den Medien oder im weitesten Sinne im künstlerischen und kulturellen Bereich auf.

Abgrenzung des freien Mitarbeiters zum Arbeitnehmer

Freie Mitarbeiter müssen von Arbeitnehmern abgegrenzt werden, denn sie genießen keinen Kündigungsschutz und viele der Arbeitnehmer-Schutzvorschriften wie z.B. das EFZG finden keine Anwendung und auch im sozialversicherungs- und Steuerrecht gibt es gravierende Unterschiede, denn der freie Mitarbeiter muss seine Beiträge und Steuern im Gegensatz zum Arbeitnehmer gänzlich selbst abführen. Arbeitnehmer ist, wer aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet ist. Der freie Mitarbeiter oder Werkunternehmer hingegen verrichtet seine Arbeit selbständig. Haupt-Abgrenzungspunkt ist die Weisungsabhängigkeit bzw. persönliche Abhängigkeit. Der freie Mitarbeiter ist weitestgehend persönlich unabhängig, in der Ausgestaltung von Arbeitszeit und -ort frei, ist keinen Weisungen des Auftraggebers unterworfen und ist nicht in den Betrieb eingegliedert. Der Wille oder die Ausgestaltung des Vertrags durch die Parteien alleine kann die Abgrenzung nicht festlegen, denn für die Abgrenzung zum Arbeitnehmer gibt es keinen festen Rahmen, diese wird vielmehr anhand von Indizien im Rahmen einer Gesamtabwägung unternommen.

Indizien[1] zur Abgrenzung des freien Mitarbeiters vom Arbeitnehmer sind insbesondere:

  • Weisungsrecht des Arbeitgebers bezüglich Art, Ort und Zeit
  • Eingliederung in den Betrieb, z.B. einseitige Aufnahme in den Dienstplan
  • Recht, angebotene Aufträge abzulehnen
  • Pflicht, Urlaubsanträge einzureichen
  • Auftreten am Markt (unternehmerisch, eigene Visitenkarte, Homepage)
  • Vergleichbare Tätigkeit wie angestellte Mitarbeiter
  • Pflicht, Urlaubsanträge einzureichen
  • Meldepflicht bei Krankheit oder sonstigen Fehlzeiten
  • Nutzung fremder oder eigener Arbeitsmittel
  • Pflicht zur persönlichen Erbringung der Arbeitsleistung
  • Eigene Berufshaftpflichtversicherung, Altersversorgung

Scheinselbständigkeit

Mitarbeiter, bei denen nach der Gesamtabwägung und der Einschätzung der oben genannten Indizien ein Bild entsteht, dass sie eher weisungsgebunden sind und wie ein Arbeitnehmer eingegliedert sind, so kann eine Scheinselbständigkeit ein Arbeitsverhältnis begründen. Arbeitsrechtliche Konsequenzen in Form von Kündigungsschutzklagen können dann drohen. In manchen Fällen müssen dann je nach Berufsbild auch Sozialabgaben und Steuern – auch für die Vergangenheit – nachbezahlt werden. Den Organmitgliedern des Auftraggebers drohen dann sogar gegebenenfalls Strafen nach § 266a StGB.

Vertragliche Besonderheiten

Will man als Arbeitgeber vermeiden, dass das Vertragsverhältnis mit dem freien Mitarbeiter als Arbeitsverhältnis gewertet wird, so ist die Verwendung des Begriffs „Arbeitnehmer“ im Vertrag zu unterlassen. Vielmehr ist er besser neutral als „Mitarbeiter“ zu bezeichnen. Die Vergütung sollte auch möglich nicht als typische Monatsvergütung ausgestaltet sein, sondern eher Stunden- oder Tagessätze oder Pauschalvergütungen verwendet werden.

[1] Vgl. Hümmerich/Lücke/Mauer, Arbeitsrecht, § 1, Rn. 364, 9. Auflage 2018.

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Einzelnachweise/ Zitate/ Quellen

  • Creifelds, Rechtswörterbuch, 22. Auflage 2016.
  • Hümmerich/Lücke/Mauer, Arbeitsrecht, 9. Auflage 2018.

Weblinks

Anna Rosón Eichelmann

Anna ist Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. Seit 2011 befasst sie sich intensiv mit dem Arbeitsrecht, insbesondere im Bereich des Gastgewerbes und hat den Fachanwaltslehrgang im Arbeitsrecht an der Hagen Law School absolviert. Zu ihren Praxisstationen zählen der Lehrstuhl für Arbeitsrecht bei Prof. Dr. Waas an der Goethe-Universität in Frankfurt, die HR-Abteilung einer Bank, die Arbeitsrechtsabteilung bei Prof. Dr. Lunk in einer amerikanischen Großkanzlei, die Litigation-Abteilung einer britischen Großkanzlei sowie die Außenhandelskammer für Deutschland in Spanien. Anna hat in Frankfurt am Main und Madrid studiert.