Arbeitszeitmodelle


Begriff

Der Begriff Arbeitszeitmodell stammt aus dem Personalwesen und beinhaltet die flexible Ausgestaltung der Arbeitszeit angepasst auf die Bedürfnisse der Unternehmen und der Arbeitnehmer. Das schafft einen Rahmen für die Arbeitszeit, an dem sich die Mitarbeiter orientieren sollen. Dem Arbeitszeitmodell selbst wird der Rahmen durch gesetzliche Anforderungen u.a. des Arbeitszeitgesetzes und europäische Richtlinien gesetzt. Auch Tarifverträge oder gar der Individualarbeitsvertrag können bestimmte Arbeitszeitmodelle vorsehen. Aufgrund zunehmenden Wandels in der Arbeitswelt gerät eine flexible Organisation der Arbeitszeit immer weiter in den Vordergrund und wird sogar zum Wettbewerbsvorteil. Starre Regelungen, welche eine Arbeitszeit genau festlegen, kommen dem Arbeitgeber aufgrund unproduktiver Stunden und Überstunden meist teuer zu stehen. So gilt es hier mit flexiblen Arbeitszeitmodellen nicht nur für die „Generation Y“ eine gute Work-Life-Balance herzustellen, die dann nicht nur Mitarbeitern, sondern auch dem Unternehmen zugute kommt.

Typen von Arbeitszeitmodellen

Gleitzeit

Im Rahmen der Gleitzeit verpflichtet der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nur zur Einhaltung einer bestimmten Arbeitszeit, der sog. Kernarbeitszeit, und überlässt es dem Arbeitnehmer im Übrigen selbst im Rahmen einer bestimmten vorgegebenen Zeit (Gleitzeit) den Beginn und das Ende seiner Arbeitszeit zu bestimmen. Mittels Zeiterfassung werden die Stunden auf ein Gleitzeit- oder Arbeitszeitkonto erfasst.

Beispiel: Kernzeit von 9-16 Uhr und Gleitzeit von 7-18 Uhr. Der Arbeitnehmer ist also verpflichtet von 9-16 Uhr seine Arbeitsleistung zur Verfügung zu stellen.

Arbeitszeitmodelle

Vertrauensarbeitszeit

Im Gegensatz zur Gleitzeit verzichtet der Arbeitgeber bei der Vertrauensarbeitszeit gänzlich auf eine verpflichtende Festlegung des Beginns und des Endes der täglichen Arbeitszeit. Die Arbeitszeit des Arbeitnehmers richtet sich dann nach der im Arbeitsvertrag festgelegten (Wochen-)Arbeitszeit, zur Einhaltung derer der Arbeitnehmer auch weiterhin verpflichtet bleibt. Der Arbeitgeber verzichtet jedoch auf deren Kontrolle und die Zeiterfassung. Allerdings bleibt der Arbeitgeber dennoch gegenüber den Aufsichtsbehörden verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit geleistete Arbeitszeit der Mitarbeiter aufzuzeichnen. Zusätzlich sind bei bestimmten Mitarbeitergruppen – insbesondere bei Minijobbern und geringfügig Beschäftigten – die besonderen Regelungen zu Aufzeichnungspflichten zu beachten (z.B. § 17 MiLoG).

Arbeitszeitmodelle

Teilzeit/geringfügige Beschäftigung

Die Teilzeit ist im Vergleich zur Vollzeit eine reduzierte Arbeitszeit samt entsprechender Reduktion des Arbeitsentgelts. Ein Arbeitnehmer ist dann teilzeitbeschäftigt, wenn dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist, als die eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Mitarbeiters; teilzeitbeschäftigt ist auch der geringfügig Beschäftigte (§ 2 TzBfG).

Homeoffice (Telearbeit)

Homeoffice, auch Telearbeit genannt, bedeutet die Möglichkeit von Zuhause aus zu arbeiten. Da hier dennoch die gesetzlichen Vorgaben (z.B. des Arbeitszeitgesetzes) zu beachten sind, sollte der Arbeitgeber vorher mit dem jeweiligen betreffenden Mitarbeiter auch die Ausgestaltung vertraglich regeln. Zu beachten ist auch noch, dass die Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz zuhause gewährleistet sein muss und dass der Arbeitgeber möglicherweise verpflichtet ist, dem Arbeitnehmer das Arbeitszimmer angemessen auszustatten.

Rollierende Arbeitszeit

Im Rahmen eines rollierenden Arbeitszeitsystems werden für einen bestimmten vereinbarten Zeitabschnitt die Arbeitszeiten insofern festgelegt, als dass die Einsatztage vor- oder rückwärts „rollieren“, also wechseln. Die Arbeitstage schwanken von Woche zu Woche, die Mitarbeiter werden jedoch unabhängig des tatsächlich geleisteten Arbeitseinsatzes mit einem verstetigten Gehalt bezahlt.

Jobsharing (Arbeitsplatzteilung)

Nach § 13 TzBfG ist es gestattet, dass sich (nach Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer) mehrere Arbeitnehmer die Arbeitszeit an einem Arbeitsplatz teilen.

Arbeit auf Abruf

Die Arbeit auf Abruf bedeutet für den Arbeitgeber eine flexible Einplanung des Arbeitnehmers nach Arbeitsanfall. Der Arbeitnehmer wird eingeplant, sofern Bedarf besteht und kommt dann „auf Abruf“ zur Arbeit. Allerdings muss Arbeit auf Abruf im Arbeitsvertrag ausdrücklich vereinbart sein und es sind die gesetzlichen Grenzen einzuhalten. Diese sind z.B. die Ankündigung der Arbeitszeit vier Tage im Voraus und für mindestens drei Stunden am Tag, vgl. § 12 TzBfG. Die Arbeit auf Abruf ist nicht zu verwechseln mit der Rufbereitschaft oder dem Bereitschaftsdienst, welche im Gegensatz zur Arbeit auf Abruf zusätzlich zur normalen Arbeitszeit geleistet werden.

Vertragliche Vereinbarungen

Die Arbeitszeitmodelle müssen, z.B. wenn sie neu eingeführt werden sollen, auch vertraglich vereinbart werden und es muss auch auf die konkrete Ausgestaltung geachtet werden.

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Einzelnachweise/ Zitate/ Quellen

Weblinks

Anna Rosón Eichelmann

Anna ist Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. Seit 2011 befasst sie sich intensiv mit dem Arbeitsrecht, insbesondere im Bereich des Gastgewerbes und hat den Fachanwaltslehrgang im Arbeitsrecht an der Hagen Law School absolviert. Zu ihren Praxisstationen zählen der Lehrstuhl für Arbeitsrecht bei Prof. Dr. Waas an der Goethe-Universität in Frankfurt, die HR-Abteilung einer Bank, die Arbeitsrechtsabteilung bei Prof. Dr. Lunk in einer amerikanischen Großkanzlei, die Litigation-Abteilung einer britischen Großkanzlei sowie die Außenhandelskammer für Deutschland in Spanien. Anna hat in Frankfurt am Main und Madrid studiert.